Hintergrundinfos über die Rotte in Lahe

  • Veröffentlicht am: 1. Juni 2006 - 11:46

Was sagen Grüne zu der Biologischen Anlage in Lahe? Hintergrundinfos von den Grünen in der Region Hannover.

Wie funktioniert die Biologische Anlage (BA)?

Es handelt sich um eine Vergärungsanlage mit Nachrotte. Hier durchläuft der Restabfall die Zersetzungsprozesse in nur neun Wochen, die auf der klassischen Deponie Jahre dauern.

Nach der mechanischen Aufbereitung folgt für den feinen, organikreichen Teil des Abfalls zunächst ein gut dreiwöchiger Gärprozess unter Sauerstoffabschluss. Dabei wird der Abfall von Bakterien zersetzt und für die Stromerzeugung nutzbares Biogas produziert. Dadurch ist das Vergärungsverfahren hinsichtlich der CO2-Bilanz vorteilhafter als ein reines Rotteverfahren und nutzt dem Klimaschutz.

Anschließend folgt die etwa sechswöchige Nachrotte, während der unter kontinuierlicher Belüftung Mikroorganismen am Werke sind. Am Ende hat der Müll rund 40% seines Gewichts verloren und kann deponiert werden, ohne dass sich schädliche Gase und Sickerwässer bilden.

Derzeitiger Betriebszustand: Probebetrieb

Die von der Arbeitsgemeinschaft (Arge) BA errichtete Anlage befindet sich seit dem 15.8.2005 im Probebetrieb. Währenddessen trägt der Hersteller Verantwortung und Mehrkosten, das heißt für die GebührenzahlerInnen entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Der Probebetrieb war bis zum 15.2.2006 geplant. Er dauert an, da die BA bisher nicht abgenommen werden konnte, da sie noch nicht ausreichend funktioniert. Sie schafft weder beständig die geforderte Menge noch erfüllt sie alle Grenzwerte für das abzulagernde Material. Auf Antrag der Herstellerfirmen wurde der Probebetrieb jetzt bis zum 30.9.2006 verlängert.

Derzeit liegt die Kapazität im Durchschnitt bei 80%, wobei in der Spitze 100% des Wochendurchsatzes erreicht wurden. Es ist vertraglich vereinbart, dass die BA von aha erst abgenommen wird, wenn sie vier Wochen lang bei Einhaltung der Grenzwerte 100% der Kapazität schafft, davon eine Woche sogar 110%.

Da die Anlage nicht voll funktionsfähig ist, hat aha erst knapp 90% der Kosten bezahlt.

Welcher Grenzwert wird nicht eingehalten?

Wie von einem unabhängigen Labor geprüft, hatte der Output der BA Ende September 2005 die Grenzwerte erfüllt, die eingehalten werden müssen, damit das Material deponiert werden darf. Seit der Jahreswende hat sich der TOC-Wert nach Auslaugung verschlechtert. Dabei handelt es sich um einen Grenzwert für den Restgehalt an Gesamtkohlenstoff (Total organic carbon). Es geht also nicht darum, dass das Produkt der BA zu schadstoffhaltig ist, sondern noch zu viele organische Anteile enthält.

Warum hat sich der Restgehalt an Organik erhöht?

Der Grenzwert wird nicht eingehalten, da das Material zu wenig verrottet ist. In der Anfangszeit der BA, als die Anlage mit geringeren Mengen gefahren wurde, war die Rottezeit länger.

Der Rotteprozess kommt zu spät in Gang. Zum Teil funktioniert er nicht ordentlich, weil das Material in der Nachrotte zu trocken war. aha sieht seit längerem Optimierungsmöglichkeiten, die die Arge bisher aber kaum berücksichtigt hat. Die Hersteller bemühen sich derzeit vor allem darum, durch Optimierungen im Betriebsablauf die Werte zu erreichen. Deren Ergebnisse werden aber nicht sofort erkennbar sein, da biologische Prozesse Wochen dauern.

Sollten damit die geforderten Qualitäten nicht erreicht werden, können die Werte auf jeden Fall durch eine zusätzliche Nachrottestufe erreicht werden. Die erforderliche Halle könnte auf der Deponie Kolenfeld errichtet werden. Das Material muss ohnehin von Lahe nach Kolenfeld transportiert werden, käme aber vor der Ablagerung in den Nachrotteprozess. Die erforderlichen Mittel stehen aus den einbehaltenen Geldern zur Verfügung.

Perspektiven

Die Herstellerfirmen müssen die Anlage optimieren, so dass Grenzwerte und Mengenvorgaben erfüllt werden. Dazu haben sie sich vertraglich verpflichtet. Erst wenn die Anlage so weit optimiert ist, kann eine Abnahme gerechtfertigt werden.

aha ist der Überzeugung, dass die Anlage funktionieren wird. Allerdings ist davon auszugehen, dass auch nach einer Abnahme noch eine geraume Zeit für Optimierungen gebraucht wird.

Wie funktionieren andere biologische Abfallbehandlungsanlagen?

In Niedersachsen arbeiten neun MBAs, davon haben zwei keine Probleme - darunter die seit langem als Pilotanlage betriebene MBA des Kreises Diepholz in Bassum. Eine weitere erfüllt mittlerweile die Ablagerungsverordnung. Andere Anlagen haben auch Probleme mit dem TOC-Wert, in einigen wurde die Rottezeit verlängert.

War die Entscheidung für die Anlage falsch?

Wir Grünen in der Region wollten keine Müllverbrennung und haben uns deshalb für ein biologisches Abfallbehandlungsverfahren stark gemacht. Außerdem bietet dies zugunsten der GebührenzahlerInnen den Vorteil, die noch vorhandenen Kapazitäten der Deponie Kolenfeld weiter zu nutzen. Die Gebührenerhöhung Ende 2004 wäre um keinen Cent geringer ausgefallen, wenn sich die Region für eine Verbrennung des gesamten Restabfalls entschieden hätte.

Vor der Grundsatzentscheidung für den Bau einer Vergärungsanlage mit Nachrotte Ende 2002 und noch einmal bei der Überprüfung der Vergabeentscheidung wurde uns gutachterlich bescheinigt, dass die MBA-Technik geeignet und ausgereift ist.

Bündnis 90/Die Grünen in der Region Hannover

Anne Schacherer, Brigitte Nieße

Sabine Nolte

Tel. 0511 / 6162 2085

sabine.nolte-vogt@

region-hannover.de

Stand: 23.5.2006

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