Christian Hinrichs: Vorgesehene Rede zur Antidiskriminierungsstelle der Region Hannover

Christian Hinrichs

Die Sitzung der Regionsversammlung am 30.06.2026 wurde aufgrund der schrecklichen Ereignisse in Stade deutlich verkürzt durchgeführt. Es wurden ausschließlich nur erforderliche Tagesordnungspunkte abgestimmt, auf Redebeiträge wurde verzichtet.

Hier die vorgesehene Rede von Christian Hinrichs zu

TOP 10: Kooperationsvereinbarung mit der Landeshauptstadt Hannover über den gemeinsamen Betrieb einer Antidiskriminierungsstelle

Anrede,

mit der Kooperationsvereinbarung für eine gemeinsame Antidiskriminierungsstelle schaffen wir eine zentrale Anlaufstelle für alle Menschen in der Region Hannover – Stadt und Umland –, die Diskriminierung erleben oder beobachten. Eine Stelle, an der ihnen zugehört wird. Wo sie parteiliche, vertrauliche, unabhängige Beratung bekommen, wo ihre Erfahrungen ernst genommen und nicht relativiert werden. Wo sie erfahren, welche Rechte sie haben und wie sie diese praktisch durchsetzen können. Und eine Stelle, die nicht nur Fälle bearbeitet, sondern dokumentiert, öffentlich macht und präventiv arbeitet – damit sich Strukturen tatsächlich verändern.

Deswegen bin ich sehr froh, dass wir kurz vor Ende dieser Wahlperiode einen echten Beitrag zur Stärkung der kommunalen Antidiskriminierungsarbeit leisten können. Ich will aber auch klar sagen: Dass wir heute erst heute über diese Kooperationsvereinbarung entscheiden können, war ein langer und harter Weg. Der Auftrag aus dem Jahr 2022 lag vor und auch die konzeptionellen Grundlagen waren seit 2024 längst vorhanden. Genau deshalb möchte ich allen danken, die in dieser Zeit nicht lockergelassen haben: den Initiator*innen, die zivilgesellschaftlichen Initiativen, Beratungsstellen und den Kolleg*innen hier im Haus, die immer wieder nachgefragt haben und drangeblieben sind. Dass wir heute überhaupt über diese Vereinbarung abstimmen, ist auch Ihr und euer Verdienst.

Mit Blick nach vorne habe ich eine klare Erwartung: Die neue Antidiskriminierungsstelle muss ein eigenes Selbstverständnis entwickeln – als starke, unabhängige Anlaufstelle für die Menschen in Stadt und Umland. Sie muss intersektional arbeiten, Diskriminierung sichtbar machen und unbequem sein, wenn es sein muss.

Ich wünsche mir, dass alle Mitglieder der Regionsversammlung dieser Stelle eine echte Chance geben. Antidiskriminierungsarbeit ist keine Frage, ob wir uns diese Ausgabe leisten können oder nicht, sondern, wie ernst wir es mit Demokratie und Menschenwürde meinen.

In Theodor W. Adornos „Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben“ (1951) findet sich eine kleine und die oft zitierte Passage, in der Adorno den „besseren Zustand“ einer emanzipierten Gesellschaft bestimmt. Dort heißt es sinngemäß, dass dieser bessere Zustand so zu denken sei, „in dem man ohne Angst verschieden sein kann.“ Was für eine schöne Vorstellung: Eine emanzipierte Gesellschaft, in der Differenz nicht zuallererst mit Bedrohung, Ausschluss oder Gewalt verknüpft ist.  Was so utopisch klingt, versucht die Antidiskriminierungsarbeit im Alltag jeden Tag aufs Neue zu erkämpfen. Eine Region Hannover, in der man ohne Angst verschieden sein kann. Dafür lassen Sie uns weiterkämpfen.

Vielen Dank.

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Christian HInrichs (Foto: Sven Brauers)

Christian Hinrichs
Sozialpolitischer Sprecher
christian.hinrichs@regionsversammlung.de