Rückblick

Kreislaufwirtschaft in der Region

Rückblick auf unsere Veranstaltung

Die GRÜNE Fraktion in der Region Hannover hat auf Initiative des GRÜNEN Abfallteams die Veranstaltung „Wegschmeißen war gestern – Kreislaufwirtschaft in der Region Hannover“ durchgeführt.

Um für das Thema zu sensibilisieren, die Leitplanken für den Ausbau der Kreislaufwirtschaft in der Region Hannover zu legen und Impulse für unsere Arbeit in der Regionsversammlung zu bekommen, hat die Fraktion Expert*innen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und von unserem regionalen Entsorger aha für das Podium gewinnen können. Die Einladung wendete sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an alle Menschen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren. 55 Menschen sind der Einladung gefolgt.

Sinja Münzberg (Fraktionsvorsitzende) begrüßte für die Fraktion die Anwesenden (Foto: Darius Wenhold)

Sie begründete die Veranstaltung mit der Beobachtung, dass es der Stärkung der Kreislaufwirtschaft in der Region bedarf. Denn die Kreislaufwirtschaft ist unabhängig von den politischen Ansichten nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter ökonomischen Gesichtspunkten geboten. Darüber hinaus spielt die Kreislaufwirtschaft auch im Rahmen der Sicherheitsarchitektur eine immer größere Rolle. Wir müssen unabhängiger von Importen von Rohstoffen aus dem Ausland werden. Aktuell ist die Region noch sehr im alten Wirtschaften verhaftet.

Michael Horn (abfallpolitischer Sprecher) machte die wichtigkeit in seinem Eingangsstatement klar (Foto: Darius Wenhold)

Die Umstellung auf die Kreislaufwirtschaft sichert das nackte Überleben der produzierenden Industrie.

Michael Horn (Abfallpolitischer Sprecher)

Unser abfallpolitischer Sprecher berichtete von der neuen Nationalen Strategie zur Kreislaufwirtschaft der Bundesebene. Deren wesentliche Ziele sind: 1. Verringerung des pro Kopf Rohstoffverbrauchs; 2. Erhöhung des Einsatzes von Sekundärrohstoffen zur Schließung der Stoffkreisläufe; 3. Erhöhung der Recyclingquote zur Reduzierung der Abhängigkeit von Importen; 4. Senkung des Abfallaufkommens um 20%

Um diese Ziele zu erreichen, stehen in 2026 insgesamt 260 Millionen Anschubfinanzierung zur Verfügung, das Wertschöpfungspotenzial in dem Bereich sei enorm. Jens Palandt (Erster Regionsrat) begrüßte als Hausherr die Anwesenden. Aus Verwaltungssicht ist die Kreislaufwirtschaft in vier Handlungsfeldern besonders spannend:

  1. Bauen
    Die Bauwirtschaft ist für die größte Menge an Abfall verantwortlich. Künftig wollen wir die Betrachtung des Gebäudebestands als Rohstofflager. Verwendung von Baustoffen im zirkulären Design.
  1. Kunststoff
    Zur Herstellung von Kunststoffen braucht es Rohöl, das wir nicht haben und auch nicht verbrauchen wollen. Das Recycling und die Wiederverwendung von Kunststoffen sind daher in der Region wichtig.
  1. Energie- und Ressourcen-HUB Lahe
    Herzstück einer klimaneutralen Logistik, indem Abfall zu Biomethan in Erdgas-Qualität wird.
  1. Zusammenarbeit
    Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft müssen mit dem Bildungswesen zusammenarbeiten. Bildung ist nach wie vor der wichtigste Rohstoff.
Christian Meyer (Landesumweltminister) berichtete von der Notwendigkeit der Kreislaufwirtschaft (Foto: Darius Wenhold)

Wir sind ein ressourcenarmes Land. Wenn wir bei der linearen Wirtschaft bleiben würden, bedeutet das für Niedersachsen einen Wertstoffverlust.

Christian Meyer (Landesumweltminister)

Er berichtete stolz, dass in Niedersachsen bundesweit die größte Firma ansässig ist, die Lithium-Autobatterien recycelt. Christian Meyer riet, sich im nächsten Durchlauf der Bundes-Förderperiode Circular Economy für die Kreislaufregion Hannover zu bewerben. Er stellte die vier Arbeitskreise als Zwischenstand zur Arbeit der 9. Regierungskommission Kreislaufwirtschaft vor.:

  • AK 1 – Zirkuläres Produktdesign – Entwicklung von ökologischen Kreisläufen
  • AK 2 – Circular Society – Nachhaltiger Konsum und Umgang mit Produkten
  • AK 3 – Gewinnung und Einsatz sekundärer Rohstoffe
  • AK 4 – Umwelt- und gesundheitsgefährdende Chemikalien in der Circular Economy

Weitere Informationen

9. Regierungskommission „Circular Economy“

Mehr Infos über Abfall

Arbeitskreisleiter des AK 1 ist Prof. Dr. Hans-Josef Endres (Institut Kunststoff- und Kreislauftechnik; LUH), der Vorgesetzte von Dr. Madina Shamsuyeva (IKK), die im Anschluss über moderne Kunststoff-Recyclingtechnologien als Bausteine einer nachhaltigen und resilienten Kreislaufwirtschaft referierte.

Dr. Madina Shamsuyeva stellte die Möglichkeiten von Kunststoffrecycling dar (Foto: Darius Wenhold)

Sie verschaffte den Anwesenden einen Überblick über Möglichkeiten und Herausforderungen im Kunststoffrecycling sowie in der Weiterverwendung von Rezyklaten. Als Leuchtturmprojekte stellte sie die Weiterverwendung von Stanzresten aus der Förderbandherstellung zur Verarbeitung zu Möbelrollen
und die Weiterverwendung von ausgedienten Fischereinetzen als Kleinladungskisten vor.

zur Präsentation „Moderne Kunststoff-Recyclingtechnologien“

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden schlaglichtartig verschiedene Bereiche gestreift.

Julia Fürst (Geschäftsführerin aha) setzt sich für die Steigerung der Recyclingquote ein (Foto: Darius Wenhold)

Aktuell liegt die Recyclingquote bei aha bei rund 55%, wobei die energetische Verwertung kein Bestandteil der Quote ist. Sie sensibilisiert für die Herausforderungen des Recyclings, ein Elektroprodukt durchlaufe bspw. 42 Schritte der Zerlegung. Beim Recycling stellt sich für sie eine wesentliche Frage: Gibt es für das neu geschaffene Produkt einen Markt? Ohne Markt nutzte auch die theoretische Recyclingbarkeit nichts. 

Alexander Skubowius (Wirtschaftsförderung Region Hannover) zur Rolle der Verwaltung (Foto: Darius Wenhold)

Alexander Skubowius (Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung Region Hannover) sieht die Aufgabe der öffentlichen Hand darin, Marktversagen aufzufangen und Impulsgeber für Innovationen zu sein. Die Region fördere im Schwerpunkt Green Economy und investiere in ein Projekt, das Kreislaufwirtschaft in die Ausbildung implementiert. Michael Horn rief in Erinnerung, dass die Entsorgungsindustrie genau so groß ist wie die Versorgungsindustrie.

Auf die Frage von Sinja Münzberg zu seinen Zukunftswünschen antwortete Michael Horn, er wünsche sich:

  • Mehr Geld für die Forschung im Entsorgungssektor, hin zu einem „Innovationscluster für die Kreislaufwirtschaft“ für die Region Hannover
  • Die Erhöhung des Wirkungsgrads der Anlagen zur Abfallbehandlung in Lahe
  • Die schrittweise Reduzierung der thermischen Verwertung (Verbrennung) bei gleichzeitiger Erhöhung der Recyclingquote für wertvolle Rohstoffe im Abfall
  • Die Senkung des Abfallaufkommens im Bausektor über die Einführung eines digitalen Produktpasses für eine Baustoffwiederverwendung
Sinja Münzberg dankte den Anwesenden und lud zum offenen Vernetzen bei Getränken und Snacks (Foto: Darius Wenhold)

Unser Fazit

An der Kreislaufwirtschaft kommt niemand mehr vorbei. Auf kommunaler Ebene lässt sich einiges, aber nicht alles tun. Unser Hauptaugenmerk sollte bei der Vermeidung von Abfall liegen. Dort, wo wir um diesen nicht herumkommen, sollte bereits im Vorfeld an die Wiederverwendbarkeit der Rohmaterialien gedacht werden und bspw. Verbundstoffe vermieden werden.

Es haben sich aus der Veranstaltung zwei konkrete Antragsideen herauskristallisiert:

  • Die Nutzung des Hebels der öffentlichen Beschaffung zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft: Unsere Verwaltung sollte, wo möglich einen möglichst hohen Anteil an recycling-Materialien bei der Ausschreibung vorgeben sowie bereits bei der Beschaffung den Rückbau und die Wiederverwertbarkeit der einzelnen Teile im Blick haben.
  • Die Bewerbung als Zirkular-Region: Fördergelder der Bundesregierung zur Umsetzung der Kreislaufregion Hannover einwerben.