TOP 27: Mitgliedschaft Netzwerk Cradle to Cradle Regionen (C2C Regionen)
– Es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrte Vorsitzende,
sehr geehrter erster Regionsrat,
liebe Kolleg*innen,
Die Kreislaufwirtschaft ist längst keine reine Umweltfrage mehr. Sie ist ökonomische Vernunft und zunehmend auch eine Frage unserer Sicherheit. Wer auf importierte Rohstoffe angewiesen bleibt, macht sich abhängig; wer Stoffkreisläufe schließt, macht sich unabhängiger und resilienter. Für eine ressourcenarme Region ist ein Fokus auf Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Baustein für das Überleben der produzierenden Industrie.
Auf Bundesebene gibt eine neue nationale Strategie die Richtung vor: Wir müssen den Pro-Kopf-Rohstoffverbrauch senken, mehr Sekundärrohstoffe einsetzen, die Recyclingquoten erhöhen und das Abfallaufkommen spürbar verringern. Um rund ein Fünftel, das ist richtig viel. Dafür stellt der Bund Mittel in Höhe von 260 Millionen Euro bereit. Jetzt kommt es darauf an, diese Chance vor Ort zu ergreifen.
Vier Handlungsfelder sind dabei entscheidend. Im Bauwesen, das den größten Teil unseres Abfalls verursacht, müssen wir den Gebäudebestand als Rohstofflager begreifen und zirkulär planen. Bei Kunststoffen gilt: Was wir nicht aus Rohöl herstellen müssen, sondern wiederverwerten können, macht uns unabhängiger. Aus Abfall lässt sich klimaneutrale Energie gewinnen. Und all das gelingt nur, wenn Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Bildung enger zusammenarbeiten.
Doch Recyclingfähigkeit allein genügt nicht. Unser oberstes Ziel muss die Vermeidung von Abfall bleiben. Wo er unvermeidbar ist, müssen Wiederverwendbarkeit von Anfang an mitgedacht und Verbundstoffe vermieden werden. Entscheidend ist, ob es für die zurückgewonnenen Materialien auch einen Markt gibt. Hier liegt die Aufgabe der öffentlichen Hand: Marktversagen aufzufangen und Impulsgeber für Innovationen zu sein.
Zwei Hebel können wir unmittelbar nutzen. Erstens die öffentliche Beschaffung: Wir sollten einen möglichst hohen Anteil recycelter Materialien vorschreiben und schon bei der Anschaffung Rückbau und Wiederverwertbarkeit mitdenken. Und zweitens sollten wir uns entschlossen um Fördermittel bewerben, um unsere Region als echte Kreislaufregion aufzustellen. Denn an der Kreislaufwirtschaft kommt niemand mehr vorbei.
Ein Beitritt zum Cradle-to-Cradle-Netzwerk, wie wir ihn schon im Jahr 2022 beschlossen haben, ist ein konsequenter nächster Schritt. Ein solches Netzwerk verschafft uns Zugang zu erprobtem Wissen, zertifizierten Materialkreisläufen und einem Verbund von Kommunen und Unternehmen, die denselben Weg gehen und untermauert damit zugleich unseren Anspruch, Kreislaufregion zu werden. Wer vorangehen will, sollte sich mit denen vernetzen, die bereits losgegangen sind.
Deshalb stimmen wir dieser Beschlussvorlage gerne zu.
Anlage
Mitgliedschaft Netzwerk Cradle to Cradle Regionen (C2C Regionen) (5023 (V) BDs)
Kontakt für Rückfragen

Claudia Görtzen
Finanzpolitische Sprecherin
claudia.goertzen@regionsversammlung.de