Antwort auf Anfrage

Nutzung von Fassaden- und Schulhof-Photovoltaik

Anfrage gem. § 9 der Geschäftsordnung zur schriftlichen Beantwortung

Nutzung von Fassaden- und Schulhof-Photovoltaik

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Klimaschutz am 21.11.2024 wurden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie „PV-Überdachungen auf Parkplätzen“ vorgestellt. Dabei wurden auch kurz die Vor- und Nachteile von Fassaden-PV thematisiert. Photovoltaikanlagen bieten insgesamt eine effektive Möglichkeit, erneuerbare Energie zu erzeugen und Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Neben klassischen Dachanlagen rücken insbesondere Fassaden- und Schulhof-Photovoltaik zunehmend in den Fokus, da sie ohne zusätzlichen Flächenverbrauch installiert werden können und Synergien zwischen Energiegewinnung, Klimabildung und Gestaltung urbaner Räume ermöglichen.

Schulhöfe bieten durch innovative PV-Überdachungen oder integrierte PV-Elemente die Chance, verschattete Aufenthaltsräume für Schüler*innen zu schaffen und gleichzeitig erneuerbare Energie zu erzeugen. Fassaden-PV eröffnet großes Potenzial, die Energieproduktion zu steigern, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. Durch diese Maßnahmen können Bildungs- und Verwaltungsstandorte Vorbilder für eine nachhaltige Energiezukunft werden.

Hier bestehen demnach vielversprechende Möglichkeiten für die Region Hannover, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, Klimaschutz sichtbar und positiv erlebbar zu machen sowie gleichzeitig den Komfort und die Nutzungsmöglichkeiten der Schulhöfe zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

1. Gibt es bereits Daten über potenziell geeignete Fassaden und Schulhöfe in Trägerschaft der Region Hannover, die sich für die Installation von Photovoltaikanlagen eignen? Welche konkreten Standorte wurden bislang geprüft oder ausgewählt?

    Antwort der Verwaltung:

    Derzeit liegen keine Daten über potenziell geeignete Fassaden und Schulhöfe in Trägerschaft der Region Hannover vor. Der Schwerpunkt liegt aufgrund des höheren Wirkungsgrades auf dem Ausbau von Aufdachanlagen. Auch allgemein gibt es für Fassaden keine Datengrundlage und Schulhöfe wurden bei der Erstellung des Solardachkatasters ebenso wenig berücksichtigt wie übrige Innenbereichsflächen (bspw. Parkplätze).

    2. Welche technischen und finanziellen Rahmenbedingungen müssten für die Umsetzung von Fassaden- und Schulhof-Photovoltaikprojekten geschaffen werden?

      Antwort der Verwaltung:

      Rechtlich unterliegen Schulhöfe in Niedersachsen besonderen (baulichen) Anforderungen, die den Zubau von PV auf Schulhöfen grundsätzlich nahezu ausschließen bzw. das Potenzial stark begrenzen. Folgende Faktoren sind zu nennen:

      • Schulbaurichtlinie gibt vor, Flächen zum Aufenthalt der Schüler*innen im Freien zwingend freizuhalten
      • Sammelpunkte für Schüler*innen und Lehrkräfte in Notsituationen
      • Rettungswege und Feuerwehrzufahrt
      • Stellflächen für Rettungsfahrzeuge
      • Bebauungsplan, der regelt, wie viel Fläche versiegelt werden darf
      • Besondere Absicherung baulicher Anlagen (Kinder klettern gerne!)

      Daneben wäre technisch für die Umsetzung zu berücksichtigen:

      • Ausrichtung und Verschattungsfreiheit bzw. -armut
      • Ausreichende Kapazität des Stromanschlusses
      • Statik
      • Ggf. Schutz der PV-Anlage vor Vandalismus

      Die Kosten für die entsprechenden Statiker und Fachplaner hängen dabei stark von der Größe der Anlage und den lokalen Gegebenheiten ab. Eine Photovoltaik-Fassade ist im Vergleich teurer und aufwendiger als eine Aufdachanlage und hat einen geringeren Wirkungsgrad. Eine Aufdachanlage bleibt daher grundsätzlich die wirtschaftlichste Option. PV-Überdachung oder Fassaden-PV kann im Zuge einer Schulhof- oder Fassadensanierung geprüft werden.

      3. Gibt es Fördermöglichkeiten seitens des Landes, Bundes oder der EU, die hierfür genutzt werden können?

        Antwort der Verwaltung:

        Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es keine Fördermöglichkeiten auf Landes-, Bundes- oder der EU-Ebene. In Teilen der Region Hannover (proKlima-Gebiet) wird Fassaden-PV gefördert.

        4. Sind in der Region bereits Pilotprojekte oder vergleichbare Vorhaben umgesetzt worden? Welche Erfahrungen wurden bei der Planung und Umsetzung derartiger Projekte gemacht?

          Antwort der Verwaltung:

          Das Wohnungsbauunternehmen Gundlach hat ein Fassaden-Solarthermie-Projekt in Ahlem initiiert, das vom Institut für Solarenergieforschung in Hameln (ISFH) begleitet wird. Das Architektur- und TGA-Planungsbüro Carsten Grobe Passivhaus hat den „Dänischer Pavillon“ die Fassade mit PVT-Modulen ertüchtigt. Welche Erfahrungen bei Planung und Umsetzung gemacht wurden, ist der Verwaltung nicht bekannt.

          5. Welche Erfahrungen oder Erkenntnisse liegen der Verwaltung hinsichtlich der Kompatibilität von Fassaden- und Schulhof-PV mit Begrünungsmaßnahmen (z. B. Fassadenbegrünung, Verschattung durch Bäume) vor? Gibt es technische oder planerische Herausforderungen, die einer kombinierten Umsetzung entgegenstehen könnten?

            Antwort der Verwaltung:

            Der Verwaltung liegen keine Erfahrungen mit der Kombination von Fassadenbegrünung und Fassaden-PV oder Schulhof-PV mit Begrünungsmaßnahmen vor. Die folgenden Erkenntnisse leiten sich aus Gesprächen mit proKlima und dem Bundesverband für Gebäudegrün ab:

            Grundsätzlich wird das Thema Fassaden-Grün und -PV als Nische angesehen, die nicht relevant ist. Theoretisch ableitbare positive Effekte einer Fassadenbegrünung auf den Ertrag der PV-Module durch ein Temperaturdelta mittels Verdunstung beläuft sich bereits bei Solargründächern auf nur bis zu 10 Grad und dürfte bei der Anordnung an der Fassade noch geringer ausfallen. Auch auf dem Gründach hat dieses Delta nur wenig Auswirkung (1-4 Prozent) auf den Ertrag und ist daher eher vernachlässigbar. Wenn Solarmodule an Fassaden angebracht werden, muss das Ranksystem sauber geplant (also Aussparungen im Bereich der PV) und die Pflanzen der Begrünung korrekt abgestimmt sein, damit sie nicht in die Solarpaneele einwachsen. Eine Empfehlung des BUND Heidelberg im Rahmen eines öffentlichen Vortrags lautet: Möglichst dichte Belegung des Daches mit PV, möglichst viel Begrünung an der Fassade.

            Ein Beispiel aus Hamburg zeigt, dass erste Erfahrungen im Rahmen von Projekten gesammelt werden, es liegt jedoch keine Auswertung zu Effizienz oder anderen Kriterien vor:

            https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bukea/themen/energie/energielotsen/aus-der-praxis-smart-ist-gruen-291036

            Ein weiteres Forschungsprojekt verbindet die genannten Elemente mit der Reinigung von Haushaltsgrauwasser:

            https://vertikka.de

            In Wien gab es einen Beteiligungsvorschlag mit PV-Fassaden und Fassadengrün, es ist nicht bekannt, ob dieser umgesetzt wurde:

            https://mitgestalten.wien.gv.at/de-DE/ideas/pv-anlage-und-fassadenbegrunung-aldo-moro-hof

            6. Welche Schritte plant die Regionsverwaltung, um diese Potenziale künftig systematisch zu erschließen?

              Antwort der Verwaltung:

              Für das Gebiet der Region Hannover:

              Eine Überprüfung der Datengrundlage zur Flächenidentifikation im gesamten Innenbereich einer Kommune mittels Geographischen Informationssystemen (GIS) ist initiiert. Unabhängig davon ist aber absehbar, dass vor allem Flächen in Frage kommen, die bereits baulich genutzt sind oder waren, wie bspw. Gewerbeflächen und Brachflächen sowie ggf. Parkplatzflächen. Andere freie Flächen, die im Bereich geltender Bebauungspläne liegen, sind quasi ausgeschlossen, da für das Maß der baulichen Nutzung enge Grenzen gesetzt sind (§ 30 Baugesetzbuch).

              Aufgrund des Auslaufens der aktuellen Dach-Solar-Förderrichtlinie Ende des Jahres 2025 erarbeitet die Verwaltung im Moment ein Folgekonzept für mögliche Fördertatbestände. Dabei werden voraussichtlich sowohl Fassaden-PV als auch organische PV-Module mit aufgenommen. Im Fokus werden allerdings die Dachflächen in der Region Hannover stehen und hierbei insbesondere große Dachflächen von bspw. Unternehmen, der Wohnungswirtschaft und den Kommunen.

              7. Plant die Regionsverwaltung ein Konzept oder eine Handreichung zu entwickeln, welches die Kommunen bei der Identifikation und Umsetzung von Fassaden- und Schulhof-PV-Projekten unterstützt? Wird dies als sinnvoll erachtet, um eine einheitliche und flächendeckende Umsetzung zu fördern?

                Antwort der Verwaltung:

                Die Verwaltung bedient verschiedene Netwerkformate (u.a. Digitales Klimaforum, Klimaschutzdialog), um die Kommunen über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Unabhängig vom Fokus auf die Ertüchtigung von Dachflächen mit Photovoltaik prüft die Verwaltung zurzeit, inwieweit ein Pilotprojekt zur Identifizierung von Innenbereichsflächen (Parkplätze, Konversionsflächen, Schulhöfe etc.) für die Nutzung von Photovoltaik-Anlagen umgesetzt werden kann.

                8. Inwiefern können Schulen selbst als Direktabnehmer der erzeugten Energie agieren? Welche Nutzungsmöglichkeiten bestehen für die erzeugte Energie während Ferienzeiten oder bei einem geringen Eigenbedarf der Schulen? Welche Alternativen gibt es, um diese Energie sinnvoll zu nutzen oder ins Netz einzuspeisen?

                Antwort der Verwaltung:

                Die jeweilige Kommune als Eigentümerin der Schule muss sich im Rahmen des Baus einer PV-Anlage (Dach, Fassade oder Schulhof) über die Verwendung des erzeugten Stroms Gedanken machen. Grundlage dafür ist das EEG, in dem die möglichen Alternativen abgebildet sind. Eine pauschale Antwort darauf, wie der erzeugte Strom verwendet werden sollte, lässt sich nicht geben.

                  Kontakt für Rückfragen

                  Lilly Pietsch (Foto: Sven Brauers)

                  Lilly Pietsch
                  Klimaschutzpolitische Sprecherin
                  lilly.pietsch@regionsversammlung.de

                  Eingereicht am
                  19. Februar 2025

                  Behandelt am
                  17. März 2025

                  Ergebnis
                  beantwortet

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