Änderungsantrag der Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Tierschutzpartei & Freie Wähler, Volt+ sowie der Gruppe CDU/FDP vom 5. März 2026 zur Vorlage 4544 (V) Ant
Beschlussvorschlag
Der Beschlusstext wird wie folgt geändert:
Die Regionsverwaltung wird beauftragt, im Rahmen einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit auf einen freiwilligen Verzicht des nächtlichen Einsatzes von Mährobotern hinzuarbeiten. Ziel ist es, die Bevölkerung über die Gefahren für nachtaktive Wildtiere – insbesondere Igel, Amphibien und andere Kleintiere – zu informieren und für mehr naturnahes sowie tierfreundliches Handeln im eigenen Garten zu sensibilisieren.
Hierzu soll die Regionsverwaltung:
- bis zum Beginn der nächsten Mähsaison ein Faltblatt zum Thema Igelschutz entwickeln und über geeignete Verteilerstellen verbreiten,
- auf der Internetseite hannover.de eine Informationsseite zum Thema Igelschutz und Mährobotereinsatz einrichten,
- eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Hinweisen und Empfehlungen zum Thema veröffentlichen,
- und im Umwelt Report einen Beitrag über Gefahren durch Mähroboter und Möglichkeiten des Igelschutzes platzieren.
Prüfauftrag: Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit dem Insektenbündnis Hannover den Themenkomplex „naturnahe Gartengestaltung“ mit besonderem Fokus auf den Igelschutz weiterzuentwickeln. Dabei soll geprüft werden, wie die bestehenden Informations- und Beratungsangebote des Insektenbündnisses in die Öffentlichkeitsarbeit der Region eingebunden werden können.
Zudem soll die Verwaltung gemeinsam mit den regionalen Igelschutzzentren Möglichkeiten einer unterstützenden Zusammenarbeit erörtern, um die Öffentlichkeitsarbeit inhaltlich zu ergänzen, ihre Reichweite zu vergrößern und die Bürgerinnen und Bürger noch gezielter zu erreichen.
Sachverhalt
Der Einsatz von Mährobotern in den späten Abend- und Nachtstunden stellt eine erhebliche Gefahr für zahlreiche heimische Tierarten dar. Ein besonders betroffenes Tier ist der Braunbrustigel. Dieses Wildtier steht unter besonderem Schutz ist nun auch erstmals auf der Internationalen Roten Liste der bedrohten Arten zu finden – ein klares Zeichen für seinen Rückgang. Die Herausforderungen für den Igel sind vielfältig: Er wird oft im Straßenverkehr überfahren, sein Lebensraum schrumpft durch intensive Landwirtschaft und Versiegelung, und nun kommt auch noch die Gefahr durch Mähroboter hinzu. Da der Igel vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs ist, läuft er Gefahr, von den leise arbeitenden Geräten verletzt oder getötet zu werden. Seine Stacheln, die sonst als Schutz gegen Fressfeinde dienen, helfen ihm hier nicht weiter.
Auch andere Arten wie Blindschleichen sind betroffen – der Igel steht also stellvertretend für viele Tiere, deren Lebensweise mit den heutigen Pflegemethoden unserer Gärten kollidiert.
Rechtlich gibt es bislang eine Lücke: Die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (BlmSchV) regelt zwar den nächtlichen Betrieb von lauten, manuell geführten oder fahrergesteuerten Rasenmähern – Mähroboter fallen allerdings nicht unter diese Regelung. Dabei beruht die Verordnung auf der EU-Richtlinie 2000/14/EG, die solche autonomen Geräte bislang nicht berücksichtigt.
Gerade weil es derzeit an klaren bundesrechtlichen Vorgaben und vollziehbaren Verbotstatbeständen für Mähroboter in den Nachtstunden fehlt, kommt der Öffentlichkeitsarbeit eine besondere Bedeutung zu. Nur wenn Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer um die Gefahren wissen, können sie ihr Verhalten freiwillig anpassen – etwa indem sie Mähroboter ausschließlich tagsüber und unter Aufsicht einsetzen, auf naturnahe Gartengestaltung achten und Rückzugsräume für Wildtiere schaffen.
Durch eine verstärkte und gut abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit, unter Einbindung des Insektenbündnis Region Hannover und den regionalen Igelschutzzentren, kann dieses Wissen breit vermittelt werden. Informationsmaterialien, Pressearbeit und Beiträge in bestehenden Publikationen der Region leisten dabei einen wichtigen Beitrag, um Bewusstsein zu schaffen, Verhaltensänderungen anzustoßen und so den Schutz insbesondere nachtaktiver Wildtiere in der Region Hannover wirksam zu verbessern.