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Mountainbiken im Deister

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Der Deister ist weit mehr als ein beliebtes Ausflugsziel – er ist ein Ort in der Region Hannover, der Artenvielfalt, Erholung und verantwortungsvolle Wildhege miteinander verbindet. Als Landschaftsschutzgebiet mit ausgewiesenen Naturschutzbereichen hat er eine bedeutende Rolle im regionalen Natur- und Landschaftsschutz. Damit dieser empfindliche Naturraum auch in Zukunft erhalten bleibt, braucht es eine verantwortungsvolle Balance zwischen Nutzung und Schutz.

Der Wald wird vielfältig genutzt: Er dient der Forstwirtschaft, gehört teils dem Land Niedersachsen, teils privaten Waldeigentümer*innen, und zieht zahlreiche Reiter*innen, Wandernde, Radfahrende und Mountainbiker*innen an.  Dabei sind nicht nur Freizeitinteressen zu berücksichtigen, sondern auch Eigentumsrechte der Waldbesitzenden, jagdliche Belange und Wildhege sowie die gesetzlichen Vorgaben des Natur- und Umweltrechts. Der Deister ist damit kein beliebiges „Sportgelände“, sondern ein geschützter Natur- und Erholungssraum, in dem alle Aktivitäten an die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen gebunden sind. Besonders im Bereich des Mountainbikens hat sich gezeigt, dass ein unkontrolliertes Wachstum zu Problemen führt: Schon vor mehr als 15  Jahren entstanden in geschützten Zonen eigenmächtig angelegte Trails, die Flora und Fauna erheblich beeinträchtigen.

Um diesen Entwicklungen zu begegnen, wurde damals entschieden, drei ausgewählte Strecken in den Landesforsten befristet und unter Ausnahmeregelungen zuzulassen, um ein geregeltes Pilotprojekt zu erproben und illegale Streckenbildung einzudämmen. Die Auswertung der letzten Jahre zeigt jedoch, dass dieses Ziel nicht erreicht wurde. Die temporär genehmigten Downhillstrecken wurden teilweise stark ausgebaut – mit deutlich mehr Bauwerken und Hindernissen als ursprünglich erlaubt. Eine Kontrolle im Jahr 2023 ergab, dass sich die Zahl der verbauten Elemente mehr als verdoppelt hat. Diese massiven Eingriffe in die Natur machen klar: Innerhalb der sensiblen Schutzgebiete wird es künftig keine dauerhaft angelegten Downhilltrails mit Bauwerken geben können.

Hinzu kommt, dass in weiteren empfindlichen Waldbereichen zunehmend neue, nicht genehmigte Strecken entstanden sind. Diese Entwicklung gefährdet sowohl wertvolle Lebensräume als auch das Miteinander der verschiedenen Nutzungsgruppen. Für uns Grüne ist deshalb klar: Nur ein gemeinsamer, verbindlicher Rahmen kann den Deister langfristig schützen und gleichzeitig die Freude an Bewegung und Natur ermöglichen.

Dabei erkennen wir das langjährige, ehrenamtliche Engagement vieler Aktiver – insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit – ausdrücklich an. Gerade die Jugendarbeit im Mountainbike-Bereich ist ein wichtiger Beitrag zu Bewegung, Gemeinschaftserleben und Naturerfahrung. Umso mehr wünschen wir uns, dass diese Angebote künftig auf einer rechtlich belastbaren, naturverträglichen Grundlage stattfinden können, die Artenschutz, Eigentumsrechte und die Bedürfnisse anderer Erholungssuchender respektiert.

Genau dafür wurde der „Große Runde Tisch Deister“ ins Leben gerufen. Hier arbeiten Vertreter:innen aus Naturschutz, Forst, Sport, Kommunen und Politik daran, tragfähige Lösungen zu finden. Ein zentrales Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist der Kodex Deister, der im Rahmen des Aktionsprogramms Deister 2024/2025 entstanden ist. Er formuliert gemeinsame Grundsätze für einen respektvollen und naturverträglichen Umgang mit dem Wald. Dieses Miteinander verstehen wir als Chance, Naturbewusstsein und Freizeitgestaltung neu auszubalancieren.

Wir appellieren an alle Beteiligten, den begonnenen Dialog fortzusetzen. Der Rückzug des Vereins Deisterfreun.de aus dem Runden Tisch war bedauerlich. Umso mehr wünschen wir uns, dass der Verein seine fachliche Expertise künftig wieder in den Dialog einbringt und aktiv an tragfähigen Lösungen mitwirkt. Denn nur, wenn alle Akteur*innen mitwirken, kann ein dauerhaftes, faires und naturverträgliches Miteinander im Deister gelingen. Wir Grüne werden diesen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten – mit dem Ziel, dass der Deister auch künftig sowohl Naturraum als auch Erholungsort bleibt: geschützt, lebendig und offen für alle, die ihn mit Respekt nutzen.