Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen stellen heute (26.02.2026) im Ausschuss für Gleichstellung, Integration, Antidiskriminierung und Diversität (GIDA) ihren Antrag vor, um die Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen in der Region Hannover strukturell zu verbessern. Hintergrund sind eine geringe Zahl öffentlich auffindbarer Praxen, Wartezeiten von mehreren Wochen und eine fehlende systematische Datenerhebung zur tatsächlichen Versorgungslage.
Dazu erklären Sinja Münzberg, Fraktionsvorsitzende und Birgit Ballweg, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in der Regionsversammlung:
Sinja Münzberg, Fraktionsvorsitzende:
„Die Versorgung auf kommunaler Ebene muss verlässlich funktionieren, solange der veraltete §218 den Zugang zu notwendiger Gesundheitsversorgung erschwert. Wir können die Bundesgesetzgebung hier nicht ändern – aber wir können sicherstellen, dass der gesetzlich zugesicherte Anspruch auf Schwangerschaftsabbrüche in der Region praktisch funktioniert. Dass nur wenige Praxen auffindbar sind und wir keine belastbaren Daten zur Versorgungslage haben, ist kein Zustand, den wir einfach hinnehmen. Dieses Versorgungsdefizit stellt die selbstbestimmte Entscheidung einer jeden Betroffenen in Frage. Schwangerschaftsabbrüche sind Teil der medizinischen Grundversorgung. Und Grundversorgung muss gut organisiert werden. Genau dafür sorgen wir jetzt.“
Birgit Ballweg, gesundheitspolitische Sprecherin:
„Für die Betroffenen zählt am Ende nur Eins: Bekomme ich zeitnah einen Termin und verlässliche Informationen! Eine Wartezeit von zwei bis drei Wochen für einen stationären Abbruch und ein knappes Angebot zum ambulanten medikamentösen Abbruch sind bei einem so sensiblen Eingriff eine große Belastung für die betroffenen Frauen. Wenn dann noch Sprachbarrieren oder unklare Zuständigkeiten hinzukommen, wird es unnötig kompliziert. Unser Antrag setzt genau dort an: Wir verbessern die Informationsstruktur, binden den Sprachmittlungspool ein, vernetzen Beratung, stärken medizinische Angebote und lassen zusätzliche Kapazitäten an den Standorten des Klinikums Region Hannover prüfen.“
Unser Ziel: Versorgung planbar machen – Zugang konkret verbessern
Der Antrag schafft die strukturellen Voraussetzungen für eine verlässliche Versorgung in der Region Hannover:
- Transparente Bedarfsplanung
Die Regionsverwaltung wird beauftragt, regelmäßig zu erfassen, welche Praxen und Kliniken Schwangerschaftsabbrüche anbieten, wie sich Wartezeiten entwickeln und wo Versorgungslücken entstehen. Damit entsteht erstmals eine belastbare Grundlage für eine aktive Steuerung.
- Zugang erleichtern
Rechtliche und medizinische Informationen sollen mehrsprachig und in leichter Sprache bereitgestellt werden. Der Sprachmittlungspool der Region soll auch Praxen und Kliniken unterstützen können.
- Vernetzung stärken
Gemeinsam mit dem Runden Tisch Frauen, Mädchen und Gesundheit wird ein Fachnetzwerk aufgebaut, um Beratung und medizinische Versorgung besser zu vernetzen.
- Angebot weiterentwickeln
Das Klinikum Region Hannover soll prüfen, ob Schwangerschaftsabbrüche auch unter örtlicher Betäubung möglich sind, um die Wahlfreiheit zu stärken. Zudem sollen ambulante Versorgungsmöglichkeiten ausgebaut und Wartezeiten reduziert werden.
Diese Maßnahmen sorgen dafür, dass die Versorgung in der Region Hannover transparenter organisiert, besser koordiniert und für Betroffene tatsächlich erreichbar wird.
Ausgangspunkt ist das Positionspapier des Runden Tisches Frauen, Mädchen und Gesundheit aus dem Jahr 2025. Darin werden für die Region Hannover insbesondere lange Wartezeiten, unzureichende Informationen und mangelnde Sprachmittlung als Defizite benannt. So bieten innerhalb eines 20-Kilometer-Umkreises um Hannover derzeit nur 17 der insgesamt 208 gynäkologischen Praxen Schwangerschaftsabbrüche und deren Begleitung an. Öffentlich auffindbar sind lediglich sieben. Auch bundesweit wird die Versorgungslage zunehmend kritisch bewertet. Die kürzlich erschienene ELSA-Studie zeigt, dass viele Frauen auf dem Weg zu einem Schwangerschaftsabbruch auf Hürden stoßen: Von fehlenden Informationen bis hin zu langen Anfahrtswegen. Die Grüne Fraktion sieht darin einen klaren Auftrag, die Situation hier in der Region strukturell zu überprüfen und zu verbessern.
Nach der Befassung in den Fachausschüssen soll der Antrag in der April-Sitzung der Regionsversammlung verabschiedet werden. Die Verwaltung wird dann mit der Umsetzung der Strukturreform beginnen.
Kontakt für Rückfragen

Sinja Münzberg
Fraktionsvorsitzende
sinja.muenzberg@regionsversammlung.de

Birgit Ballweg
Gesundheitspolitische Sprecherin
birgit.ballweg@regionsversammlung.de