Rede

Nicole van der Made: Rede zum Gleichstellungsbericht der Region Hannover

TOP 11: 7. Gleichstellungsbericht der Region Hannover Berichtszeitraum 2022 – 2024

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

sehr geehrter Herr Regionspräsident,

geschätzte Kolleginnen,

Gleichstellung ist kein „Nice-to-have“, kein abgeschlossenes Projekt, das ist eine langfristige politische Aufgabe.

Der Bericht erfüllt nicht nur formal seine gesetzliche Pflicht, sondern bietet eine breite und belastbare Datengrundlage.

Nahezu hundert Prozent Rücklauf aus den Teams, 122 gleichstellungsorientierte Ziele, 226 Maßnahmen und erstmals eine fast flächendeckende Arbeit mit Indikatoren, das ist ein Qualitätssprung. Auch wenn diese Indikatoren noch nicht überall perfekt sind, ist der Einstieg in eine systematische Verlaufskontrolle gelungen.

Besonders hervorheben möchte ich die Arbeit des Teams Gleichstellung und die der Gleichstellungsbeauftragten.

Ihre Aktivitäten, vor allem die Koordination und Begleitung inzwischen fünf sehr unterschiedlicher Netzwerke, sind ein zentraler Motor für Gleichstellung in Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit.

Diese Arbeit ist zeitintensiv, anspruchsvoll und vor allem unverzichtbar.

Und sie kann nur aus einer starken, unabhängigen Position heraus geleistet werden.

Der Bericht zeigt viele konkrete Erfolge:

die verbindliche Einführung geschlechtergerechter Sprache in der Verwaltung. Die Förderung zahlreicher Beratungsstellen bei Gewalt, Krisen und Notlagen, für Frauen, Männer und LSBTIQ*. Diese Vielzahl an Projekten und Maßnahmen, bis hin zum Frauenhausmonitoring und der Eröffnung eines gesicherten Frauenhauses, zeigt, dass Gleichstellungspolitik in der Region Hannover sehr konkret an den Lebensrealitäten ansetzt.

Gleiches gilt für interne Programme wie „Was Frauen stärkt“. Dass bei einem Frauenanteil von 65 Prozent in der Belegschaft inzwischen 50 Prozent der Führungspositionen weiblich besetzt sind, ist ein weiterer Erfolg, aber auch hier bleibt Luft nach oben.

Und damit komme ich zu den kritischen Punkten, die dieser Bericht ebenfalls offenlegt. Trotz des breiten Engagements sind die Rahmenbedingungen für die Arbeit gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen weiterhin unzureichend. Die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes ist für die Kommunen nach wie vor unklar.

Beratungsstellen arbeiten unter hohem Druck, finanzielle Absicherung bleibt prekär. Dass die Region hier dennoch jährlich bis zu 23 Beratungsstellen fördert, ist anerkennenswert, ersetzt aber keine verlässlichen landes- und bundespolitischen Strukturen. Es fehlen weiterhin verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere im Bereich Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Kritisch zu betrachten ist auch, dass weiterhin 28 Prozent der Teams als „nicht gleichstellungsrelevant“ eingestuft werden. Das mag fachlich begründbar sein, politisch sollten wir aber fragen, ob Gleichstellung nicht doch in mehr Bereichen zumindest mitzudenken wäre. Gender Mainstreaming bedeutet, dass alle Verantwortung tragen. Hier gibt es Entwicklungspotenzial.

Und lassen Sie mich an dieser Stelle eine klare Bemerkung machen:

Wer auf der einen Seite diesen Bericht liest, die Netzwerkarbeit, die Öffentlichkeitsarbeit und die mühsame Überzeugungsarbeit der Gleichstellungsbeauftragten würdigt, und auf der anderen Seite ernsthaft fordert, Veranstaltungen für Frauen der Region Hannover abzuschaffen, der hat den Kern von Gleichstellungspolitik nicht verstanden. Gerade in Zeiten, in denen Gleichstellung zunehmend delegitimiert wird, brauchen wir politische Foren für Frauen mehr denn je für Sichtbarkeit, für Vernetzung, für demokratische Teilhabe.

Mein Fazit: Dieser Gleichstellungsbericht ist ehrlich, differenziert und in vielen Bereichen erfolgreich. Er zeigt, was erreicht wurde, und ebenso klar, was noch fehlt. Er ist Rückenwind für die Gleichstellungsbeauftragte und zugleich Auftrag an uns als Politik.

Wer Gleichstellung ernst nimmt, kürzt nicht die Bühne, sondern stärkt die Strukturen.

Danke für ihre Aufmerksamkeit.

Anlage

7. Gleichstellungsbericht der Region Hannover Berichtszeitraum 2022 – 2024 (4131 (V) BDs)