TOP 05: Regionales Raumordnungsprogramm Region Hannover (RROP) – Sachliches Teilprogramm Windenergie 2025 hier: Beschluss über die im Beteiligungsverfahren vorgebrachten Anregungen und Bedenken und über den Entwurf als Satzung
– Es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Alle,
heute treffen wir eine wegweisende Entscheidung für die Energiezukunft unserer Region. Mit dem sachlichen Teilprogramm Windenergie 2025 stellen wir sicher, dass mindestens 2,34 Prozent der Regionsfläche für Windkraft genutzt werden – und es steht den Kommunen frei, sogar noch mehr Flächen bereitzustellen. Damit schaffen wir eine verlässliche Grundlage für den dringend benötigten Ausbau erneuerbarer Energien und sichern eine nachhaltige Stromversorgung.
Doch es geht hier nicht nur um Zahlen und Vorgaben. Vielmehr geht es darum, was wir aktiv gestalten: eine Zukunft mit sauberer, sicherer Energie. Eine Zukunft, in der wir unsere Umwelt bewahren und unsere Lebensgrundlagen schützen.
Oft wird behauptet, der Ausbau der Windkraft erfolge gegen den Willen der Bürger*innen. Doch diese Darstellung verzerrt die Realität. Zahlreiche Umweltverbände, Initiativen und Organisationen unterstützen den Ausbau, weil sie wissen, dass Windkraft essenziell für eine klimafreundliche und bezahlbare Energieversorgung ist. Sie ist das Rückgrat der Energiewende und wird sowohl von Privathaushalten als auch von Unternehmen dringend gebraucht.
Andere Landkreise haben bereits bewiesen, dass sie die Mindestflächenvorgaben des Landes übertreffen – so wie auch wir es tun. Diese Entscheidung ist keineswegs willkürlich, sondern eine gezielte Maßnahme für eine zukunftsorientierte Energiepolitik. Bereits vor Einführung verbindlicher Flächenvorgaben hatte Frau Karasch, die CDU Dezernentin, 1,9 Prozent der Regionsfläche für Windenergie vorgesehen – mehr als doppelt so viel wie das, was die CDU und FDP heute fordert.
Apropos CDU/FDP: Ihr Vorschlag, die vorgesehenen Flächen zu reduzieren, bleibt vage und ohne klare Kriterien. Zudem hätte Ihr Konzept zur Folge, dass zunächst nur im Süden der Region Windenergieflächen ausgewiesen würden, während der Norden aufgrund rechtlicher Einschränkungen unberücksichtigt bliebe. Eine ausgewogene und faire Planung sieht anders aus.
Natürlich verstehe ich, dass viele Menschen Sorgen und Bedenken äußern. Oft höre ich Begriffe wie „Maßhalten“, „Brechstange“ oder „Zumutung“. Ja, der Blick auf Windkraftanlagen in der eigenen Umgebung mag ungewohnt sein. Doch lassen Sie uns für einen Moment innehalten und darüber nachdenken, was uns wirklich beunruhigen sollte.
In diesem Zusammenhang möchte ich explizit auf Hiddestorf eingehen. Dort kursieren derzeit übertriebene und irreführende Darstellungen, die das Dorf von einer Vielzahl – teils 50 oder mehr – Windkraftanlagen umgeben zeigen. Diese Bilder haben wenig mit der tatsächlichen Planungsgrundlage zu tun. Die Anzahl der Anlagen wird durch verschiedene Rahmenbedingungen – insbesondere durch gesetzliche Abstandsregelungen und Schallgrenzwerte – erheblich begrenzt. Zudem gibt es klare Vorschriften zur maximal zulässigen Lärmbelastung, um sicherzustellen, dass die Anwohner*innen nicht übermäßig beeinträchtigt werden.
Ich verstehe, dass der Ausbau der Windkraft für einzelne Ortschaften, darunter auch Hiddestorf, Herausforderungen mit sich bringt. Deshalb ist es umso wichtiger, die Interessen der betroffenen Gemeinden mit der übergeordneten Notwendigkeit der Energiewende in Einklang zu bringen. Während die Region Hannover mit dem Teilprogramm Windenergie klare und ausgewogene Rahmenbedingungen schafft, gibt es in Hiddestorf zusätzliche Vorhaben der Stadt Ronnenberg. Diese betrachten wir kritisch, aber die Entscheidung über solche Flächenausweisungen liegt letztlich bei den Kommunen. Unser Ziel bleibt es, eine nachhaltige und faire Lösung zu finden, die sowohl die Bedürfnisse der betroffenen Gemeinden berücksichtigt als auch die Energiewende konsequent voranbringt.
Doch die Bedrohungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, liegen nicht in der Windkraft. Viel gravierender sind die globalen Krisen, die unsere Sicherheit gefährden. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und das Verhalten unberechenbarer Autokraten in anderen Teilen der Welt machen eines deutlich: Wir müssen unsere Energieversorgung unabhängiger und krisenfest gestalten. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus autoritären Staaten ist ein Risiko, das wir uns nicht mehr leisten können.
Hinzu kommt die eskalierende Klimakrise. Die Temperaturen steigen weiter, mit dramatischen Folgen: Hitzewellen, ausgetrocknete Böden, Waldbrände, Wasserknappheit, heftige Stürme und Starkregen. Wir erinnern uns alle an das extreme Weihnachtshochwasser 2023/2024 oder die langen Dürreperioden, in denen der Wasserverbrauch eingeschränkt werden musste. Diese Entwicklungen gefährden nicht nur unsere Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit, unsere Wirtschaft und unsere gesamte Lebensweise. Gleichzeitig treiben sie das dramatische Artensterben voran, das unsere Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringt.
Diese Krisen halten sich nicht an Maß und Mitte – sie treffen uns mit voller Wucht. Doch wir haben die Wahl: Entweder reagieren wir nur auf die Katastrophen, oder wir handeln vorausschauend.
Die Region Hannover hat sich entschieden zu handeln. Mit dem sachlichen Teilprogramm Windenergie 2025 schaffen wir die notwendigen Rahmenbedingungen, um den steigenden Energiebedarf nachhaltig und regional zu decken. Gemeinsam mit der Photovoltaik setzen wir auf eine stabile, klimafreundliche Energieversorgung vor Ort. So wird es möglich, dass wir in der Region sauberen und kostengünstigen Strom produzieren – unabhängig von geopolitischen Unsicherheiten.
Wir brauchen diesen sicheren und erschwinglichen Strom – für unsere Haushalte, für unsere Heizungen, für die Elektromobilität und für die Industrie. Unternehmen in der Region setzen auf grünen Wasserstoff und nachhaltige Energielösungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu sichern. Mit diesem Programm schaffen wir Planungssicherheit für all diese Bereiche.
Und das geschieht mit Bedacht: Naturschutz, Anwohner*innenschutz und Energiebedarf wurden sorgfältig gegeneinander abgewogen. Das Ergebnis ist ein durchdachtes Konzept, das langfristige Perspektiven schafft, ohne leichtfertig Kompromisse auf Kosten der Umwelt oder der Bürger*innen einzugehen.
Betreiber erhalten nun eine klare Grundlage, um neue Windenergieanlagen zu planen und zu realisieren. Damit schaffen wir nicht nur Versorgungssicherheit, sondern auch Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven für unsere Region.
Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen. Der Ausbau der Windenergie ist kein Hindernis – er ist unser Schlüssel zu einer sicheren und nachhaltigen Zukunft.
Vielen Dank!
Anlage
Kontakt für Rückfragen

Lilly Pietsch
Klimaschutzpolitische Sprecherin
lilly.pietsch@regionsversammlung.de